Beim ersten Treffen fließen Tränen
Monika Buhrke begegnet Brenda Nastepniak - der Frau, die ihr Knochenmark gespendet hat

Weserkurier 29. April 2004

   
Als Gabriele Strangemann vom Kuratorium der Bremer Krebsgesellschaft ihr den Strauß mit den bunten Frühlingsblumen in die Hand drückte, konnte Brenda Nastepniak die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Ich brauche doch eigentlich gar nichts", brach es aus der Amerikanerin heraus. Für sie sei das, was sie getan hat, selbstverständlich gewesen: "Wenn ich jemanden helfen kann in meinem Leben, dann mache ich das auch."

Eine Viertelstunde zuvor hatte Brenda Nastepniak auf dem Bahnhof die Frau in die Arme geschlossen, deren Leben sie gerettet hat. Monika Buhrke konnte durch die Knochenmarkspende ihres "genetischen Zwillings" aus Minnetrista im US-Bundesstaat Minnesota vom Lymphdrüsenkrebs geheilt werden. Das war vor vier Jahren. Als das Knochenmark damals im Krankenhaus ankam, war auch ein Brief dabei - der aus Datenschutzgründen anonymisiert war. "Mir hat dieses Schreiben Auftrieb und Mut gegeben", erinnerte sich Monika Buhrke. Außerdem habe sie gleich gespürt, dass sie mit ihrer Wohltäterin in grundsätzlichen Lebensfragen übereinstimme: "Auch sie ist Christin und hat in dem Brief geschrieben, alle Menschen in den USA beteten für mich. Das hat mich wirklich gerührt."

Eineinhalb Jahre lang hielten die beiden, ohne zu wissen, wie die andere hieß, den Kontakt per Post - die Klinik in Dresden, in der das Knochenmark implantiert wurde, vermittelte. Dann stellten sie den Antrag, die Daten freizugeben. Das gestrige Treffen kam dann fast zufällig zustande. Brenda Nastepniak machte Urlaub in Spanien, und ihr Ehemann Joe hatte die Idee, da man doch schon einmal in Europa sei, den Onkel in Köln zu besuchen. Da lag es nahe, auch einen Abstecher nach Bremen zu Monika Buhrke zu unternehmen.

Ein paar Tage will das Ehepaar in der Hansestadt bleiben - für gestern Abend stand ein Essen im Ratskeller auf dem Programm. Sei sei zuletzt vor 20 Jahren in Deutschland gewesen, erzählte Brenda Nastepniak, und zwar in Bremerhaven. Ihr erster Eindruck: "Damals war alles ganz anders."

7000 Bremer haben sich bisher als potenzielle Knochenmarkspender in die am Klinikum-Mitte geführte Datei eintragen lassen, allein 1000 während der Aktion, die die Krebsgesellschaft für Monika Buhrke ins Leben gerufen hatte. Deutschlandweit sind zwei Millionen Menschen registriert. Dem Spender wird zu diesem Zweck Blut abgenommen. Dies wird untersucht, die Merkmale in der Datei gespeichert. Wird jemand gesucht, forscht das Programm nach übereinstimmenden Merkmalen, so genannten „Matches“.

Kommt ein Spender in Frage, gibt es zwei Arten, das Knochenmark zu entnehmen. Neu und inzwischen Standard sei die Methode, aus dem Blut Stammzellen zu züchten, erklärte Mathias Bormann, Hämatologe und Onkologe am Klinikum Mitte. Brenda Nastepniak musste sich allerdings noch einer Operation unterziehen: Ihr wurde aus dem Becken Knochenmark entnommen.

Wer sich als Spender registrieren lassen möchte, kann sich bei der Bremer Krebsgesellschaft, Am Schwarzen Meer 101 bis 105, Telefon 491 92 22 informieren.

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